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Web 2.0 und Non-Profit-PR -


29. Dezember 2009

Twitter als PR-Werkzeug

Das Portal “Social Web Breakfast” stellt regelmäßig Video-Mitschnitte aus Ihren Networking-Veranstaltungen zu den wichtigsten Web 2.0-Themen auf Ihre Website. Größtenteils beziehen sich die Themen zwar inhaltlich zumeist auf Profit-Unternehmen, jedoch sind viele der darin vorgestellten Aspekte und Strategien auch auf den NPO-Bereich übertragbar.

Als Beispiel möchte ich den Vortrag “Twitter als PR-Werkzeug” anführen. Da Twitter als Tool kostenlos zur Vefügung steht, ist es auch für NPOs eine gute Möglichkeit, um als Online-PR-Instrument genutzt zu werden.
Im Vortrag werden die Erfahrungen aus der Social Media Kampagne zur Einführung des T-Mobile Google G1 von der damit beauftragen PR-Agentur vorgestellt. Zwar gab es neben Twitter auch einen Blog, welcher als Social Media Instrument genutzt wurde, jedoch war Twitter das hauptsächlich genutzte PR-Instrument, mit welchem die Community und im Speziellen die jeweiligen Meinungsführer gezielt in Hinblick auf das Produkt informiert werden sollten.

So wurden beispielsweise die Internet-User dauerhaft in die Produktwelt und den Produktlaunch mit eingebunden, indem T-Mobile auf Anraten der Agentur die als Barcamp durchgeführte Microbloggingkonferenz sponserte, und dort u.a. mit einem Android-Entwickler vor Ort war sowie die User die Möglichkeit hatten, das Gerät selbst in die Hand zu nehmen und zu testen, um daran anschließend über ihre Erfahrungen zu twittern (z.B. hinsichtlich der Parameter Usability, Funktionsumfang etc.). Damit sollten v.a. etwaige noch vorhandene Barrieren hinsichtlich des Geräts abgebaut werden.

Auch die Verlosung eines G1´s wurde ausschließlich über Twitter durchgeführt, indem die User via Tweets darstellen sollten, warum gerade sie das Gerät gewinnen wollten. Hierbei wurde die Erfahrung gemacht, dass viele User auch uneigennützig handelten, indem sie jemanden anderen vorschlugen, der das Gerät aus bestimmten Gründen gewinnen sollte. Pro Min. kam so 1 Tweet Rücklauf zustande. Auch auf klassischen Pressekonferenzen wurde der Rückkanal Twitter aktiv genutzt, indem die entsprechenden User-Tweets veröffentlicht wurden.

Nach den Unterschieden zu den klassischen Offline-Kommunikationskanälen gefragt, nannte die Agentur die unmittelbarere Kommunikation mit den Usern, die Öffnung von Rückkanälen, die zahlenmäßige Überlegenheit von Online-Multiplikatoren gegenüber “klassischen” Journalisten. Jedoch stellte die Agentur klar, dass es auch bei der Onlinekommunikation Gatekeeper zu überwinden gilt. Die Akzeptanz von Seiten der User wurde gefördert, indem von vornherein klar gestellt wurde, wer den Twitteraccount initiierte, und dass T-Mobile als Unternehmen respektive die verantwortliche PR-Agentur als Verantwortliche dahinterstanden.

Ich denke, dass die genannten Aspekte auch in Hinblick auf die NPO-PR hohe Relevanz besitzen: Authentizität, Transparenz, Überzeugung der Multiplikatoren, Überwindung der Gatekeeper, dauerhafter Austausch mit der Community, Überwindung von Barrieren durch Kombination von Online- und Offlinekommunikation sowie transparente Darstellung der jeweiligen Ansprechpartner.

Ein Mitschnitt des Videos findet sich unter:
http://www.socialwebbreakfast.de/videos/anzeige/referat/1161.html

9. Dezember 2009

Nonprofit-Kompetenz via Studium?

An der HTW (Hochschule für Technik und Wirtschaft) und HWR (Hochschule für Wirtschaft und Recht) Berlin gibt es ab diesem WS 2009/10 einen neuen Studiengang “Nonprofit-Management und Public Governance” – kurz “MaNGo” genannt. Interessant ist, dass der Studiengang nicht nur inhaltlich sondern auch pekuniär dem Nonprofit-Prinzip folgt, indem er vollständig auf die Erhebung von Studiengebühren verzichtet. Dementsprechend groß wird wohl auch der Zulauf auf den mit nur 40 freien Studienplätzen pro Studienstart beschränkten neuen Studiengang sein.
Als positiv betrachte ich es, dass der Studiengang starke interdisziplinäre Bezüge zu den Politik-, Rechts- und Sozialwissenschaften aufweisen soll, wenngleich er in seiner Basis als betriebswirtschaftlicher Aufbaustudiengang ausgewiesen ist. Diese starke ökonomische Ausrichtung zeigt auch bereits die eigentliche Zielgruppe des Studiengangs, und dies sind die Leiter/innen von Hochschulen sowie großer und finanzkräftiger Nonprofit-Organisationen.
Und hier sehe ich persönlich auch die Problematik: die gut ausgebildeten Studenten des neuen Studiengangs werden sich vermutlich beruflich sehr stark in Richtung der finanziell gut ausgestatteten “Big Player” im Nonprofit-Sektor orientieren. Wer auf der Strecke bleibt, sind wieder einmal die kleinen NPOs, welche sich finanziell solchermaßen hoch qualifizierte Fachkräfte wohl kaum werden leisten können. Damit wird die auf der Website des Studiengangs  ausgelobte
“branchenübergreifende, generalistische Ausbildung (..) die Absolventen für eine Tätigkeit in unterschiedlichen Typen von Nonprofit-Organisationen qualifiziert (…), d.h. für private und halbstaatliche Organisationen, die ohne kommerzielle Zielsetzung in unterschiedlichen Rechtsformen und Größenordnungen unterschiedliche öffentliche Aufgaben erfüllen” (Quelle: http://www.fhvr-berlin.de/fhvr/index.php?id=1006&L=1&color=basis&size=)
wohl eher ein frommer Wunsch bleiben als zukünftige Realität werden.

2. Dezember 2009

Wissenschaftskommunikation im web 2.0?

In der letzten Sitzung am Freitag wurde das Thema Wissenschaftskommunikation aus mehreren Perspektiven präsentiert und diskutiert. Unsere Gruppe hat sich hierbei mit der Frage beschäftigt „Warum sollte sich Wissenschaft nach außen öffnen?“

Besonderes Augenmerk wurde bei dieser Metareflexion auf den Punkt „Wissenschaftskommunikation im Zeitalter von web 2.0“ gerichtet. Bei unserer Recherche sind wir bereits auf einige Vorreiter im Bereich der Wissenschaft gestoßen, die sich über die Kanäle des web 2.0 nach außen öffnen. Vor allem Professoren und Dozenten aus dem universitären Bereich sind uns hierbei aufgefallen,  die aktiven Dialog mit der Außenwelt über Blogs, Twitter, Facebook oder andere Plattformen betreiben (siehe hierzu beispielsweise: http://cspannagel.wordpress.com/).

Diese Entdeckungen lösten bereits vor der Präsentation heftige Diskussionen in der Gruppe aus: Was sind Vor- und was Nachteile, wenn Wissenschaft im web 2.0 öffentlich gemacht wird? Besonders, wenn es sich um „Respektspersonen“,  wie beispielsweise der eigene Professor, aus dem universitären Kreis handelt.  Ist es gut fließende Grenzen und Transparenz über ein Facebook-Profil und Twitter-Meldungen zu schaffen?
Während einige Studenten es begrüßten, dass Personen der Wissenschaft nun greifbarer und erreichbarer für Dialoge werden, sprachen sich andere Studenten für klare Grenzen zwischen Privatem und Wissenschaftlichem/Öffentlichem aus.

Ein weiterer Diskussionspunkt in diesem Zusammenhang, war die Frage: Wie weit soll oder darf sich Wissenschaft überhaupt öffnen, um nicht an Güte und Glaubwürdigkeit zu verlieren?.
Ein häufig genanntes Argument für die Öffnung der Wissenschaft ist vor allem der Austausch mit Laien und das Öffnen gegenüber anderen Wissenschaftsdiziplinen, d.h. der Wissenschaftler verlässt den oft zitierten „Elfenbeinturm“ für eine Vernetzung und eine aktive Wissensgenerierung. Eine Gefahr, die jedoch hierbei entstehen kann und somit gegen eine Öffnung spricht, ist die Gefahr der Profilierung, d.h. Bloggen, Veröffentlichen, Vernetzung  usw. so viel wie möglich, um  im web präsent zu sein, d.h. öffentlich, und somit vielleicht auch eher Chancen auf Aufmerksamkeit und Förderung zu haben. Nicht nur, dass dadurch die Güte der Veröffentlichungen leiden kann, sondern auch ein information-overload, d.h. eine Überladung, entstehen kann.  Berücksichtigt man hierbei ebenfalls, dass das Internet ein weitgehend anonymes Medium ist, in dem jeder sich zu jedem Thema melden kann, kann neben der Informationsflut die Glaubwürdigkeit öffentlicher Wissenschaft gefährdet werden. Man denke hierbei nur an die Verwendung von Smileys, Emoticons oder Pseudonymen in wissenschaftlichen Wiki-Diskussionen, was mittlerweile im web zu finden ist.

Besonders Wissenschaftler aus nicht so medienaffinen Bereichen könnten Probleme haben in der Wissenschaftskommunikation im web 2.0 mitzuhalten, aufgrund fehlender Kompetenzen,  Zeitmangel oder der Komplexität der Forschungen, die sich für Dialoge mit Laien nicht so gut eignen wie bei anderen Wissenschaftsdisziplinen. D.h. hier könnte durch die Öffnung wiederum eine Kluft zwischen verschiedenen Wissenschaftsbereichen entstehen.

Insgesamt gibt es viele Argumente, die für oder gegen eine Wissenschaftskommunikation im web 2.0 sprechen. So konnten wir als Fazit unserer Metareflexion festhalten, dass nicht alle Wissenschaften sich in gleicher Weise „öffnen lassen“, vor allem über web 2.0. Und dass bei der Öffnung stets zu berücksichtigen ist, welche Zielgruppe angesprochen werden soll und was mit der Öffnung bezweckt werden soll.