25. Februar 2010
Im zweiten Teil unserer Session sollte es um die Begleitkommunikation einer Tagung gehen. Die Zeit verging schneller als wir dachten und so stellten wir in den letzten 20 Minuten in gekürzter Form noch das “Bausteinkonzept” vor. Kernpunkte waren die Bündelung aller Veröffentlichungen zu GMW-Tagungen auf einer gemeinsamen Homepage sowie die Einbindung von Studierenden als Redaktionsteam, Moderatoren und zur Evaluation der Tagung. Es soll neben dem klassischen Tagungsband bereits vorab einen Blog mit Vorpublikationen, Kommentaren und Reflexionen sowie ein Wiki-Lexikon geben.
Während manche diese Vorkommunikation interessant und spannend fanden, wiesen andere auf den ohnehin oft gegebenen „information overload“ auf Tagungen hin. Vortragende würden Präsentation häufig mit Dokumentation verwechseln. Es sei verständlich, dass man die Chance nutzt und seine Ideen, Projekte und Forschungsergebnisse gerne ausführlich darstellt, dennoch, von einer knappen übersichtlichen Darstellung der wichtigsten Punkte bliebe wesentlich mehr hängen. Eine Art redaktionelle Aufbereitung und Bündelung von Tagungsergebnissen, insbesondere von Diskussionen wäre also durchaus wünschenswert, man müsse nur aufpassen, dass die Masse an Informationen überschaubar bleibt.
Zudem kommen nicht alle Tagungsbesucher aus Forschung und Lehre oder sind mit dem Umgang mit Neuen Medien so vertraut wie die Besucher eines EduCamps. Karlheinz erinnerte an die Teilnehmer aus der Wirtschaft. Für sie „muss es die Tagung bringen“, dort möchten sie alles Wichtige erfahren. Sie hätten weder Zeit noch Muße, sich schon vorab mit den Themen zu beschäftigen, geschweige denn, sich in Blogs oder Wikis dazu zu äußern. Man müsse Aufwand und Nutzen je nach Tagung gut abwägen.
Unser Fazit
Am Ende waren wir erleichtert und froh, dass wir eine eigene Session gewagt haben. Hatten wir uns vorher noch Gedanken gemacht, ob unser Input genug für eine 60-minütige Diskussion hergeben würde, am Ende blieben viele Fragen offen und wir begriffen, warum vielen Teilnehmern die Sessions oft nicht ausreichten.
Wir haben uns sehr über die rege Beteiligung und große Diskussionsbereitschaft der Teilnehmer gefreut. Nicht zuletzt, weil sich dadurch für uns die Moderation der Session als unerwartet einfach gestaltet hat. Zwar hatten wir uns einige Fragen und Einwürfe überlegt, doch der von uns angestoßene Meinungsaustausch lief – ganz anders als die oft gezwungenen und behäbigen Diskussionen nach Uni-Referaten – quasi von selbst, das war eine schöne Erfahrung. Für uns persönlich hat sich der Mut auf jeden Fall gelohnt und auch die Ausarbeitungen unserer Konzepte werden von den Einschätzungen und Anregungen profitieren.
23. Februar 2010
Sehr spontan haben Astrid, Eva und ich uns am Samstag Morgen dazu entschlossen, eine Session zum Thema „ideales“ Tagungsformat anzubieten. Anfangs waren unsere Bedenken noch sehr groß, wir sind wahrlich nicht in dieser Absicht nach Hamburg gereist und hatten schließlich nichts vorbereitet. Dies ist zwar nichts Barcamp-Untypisches, doch viele andere Session-Anbieter waren bestens vorbereitet.
Nachdem Sandra bereits einigen Personen von unseren Seminarprojekten erzählt hatte und sich diese an den Ergebnissen interessiert gezeigt hatten, gaben wir uns schließlich einen Ruck und kündigten unser Vorhaben bei der morgendlichen Sessionplanung an. Erstaunlich viele Personen meldeten Interesse an, somit war der Weg geebnet und es gab kein Zurück mehr.
Insgesamt erhofften wir uns kritische Anmerkungen von erfahrenen Besuchern unterschiedlicher Tagungen zu erhalten, vor allem was die Umsetzbarkeit unseres Konzepts betrifft, und wollten wissen, wie sie dieses beurteilen, d.h. ob sie sich eine solche Tagung vorstellen können.
Am Vormittag nahmen wir uns dann eine Session lang Zeit, um unsere eigene Session vorzubereiten. Dabei entschieden wir uns für eine Zweiteilung dieser. Zunächst wollten wir unser Konzept eines Tagungsformats für die GMW sowie die Gründe für dieses vorstellen und es anschließend zur Diskussion stellen. Gegenstand des zweiten Teils sollte die Begleitkommunikation für eine „ideale“ Tagung sein. Dieser Teil wird im folgenden Blogbeitrag vorgestellt.

Raumplan für die "ideale" Tagung
Nachdem die Einteilung stand, bastelten wir Folien aus unseren Projektvorstellungen zusammen. Der von uns entwickelte Raumplan sowie der Überblick über das Kommunikationskonzept sollten unser Konzept visuell unterstützen. Des Weiteren bastelten wir eine Folie mit Diskussionsanregungen. Nach kurzem Herrichten des Raums ging es dann auch schon los.
Bevor wir unser Konzept (u.a. mit der Kombination klassischer Vortragsräume und offener BarCamp-Räume, dem Einsatz von Twitter, dem Finanzierungskonzept und dem Schülerwettbewerb) präsentierten, stellten wir die Ausgangslage vor. Dabei kamen wir kurz auf die GMW-Tagung als Kontext, die Unzufriedenheit mit dem bisherigen Format und die Lücken bei der Begleitkommunikation zu sprechen. Anschließend stellten wir – wie bei unserer Seminarpräsentation – kurz die Formate Klassische Tagung und Unkonferenz gegenüber.
Dabei wurden wir auf einen weiteren Unterschied der beiden Formate aufmerksam gemacht: die erhöhte Position des Vortragenden bei klassischen Vorträgen und die daraus resultierenden Unterschiede bei der Kommunikation mit den anderen Teilnehmern. Diese Erhöhung des Referenten drückt sich nach Meinung der Sessionteilnehmer nicht nur optisch aus, sie bestimmt auch den Kommunikationsverlauf. Während die Kommunikation auf Barcamps auf einer Augenhöhe stattfindet (alle Teilnehmer duzen sich), ist auf Tagungen eine steilere Hierarchie vorzufinden. Karlheinz, einer der Teilnehmer unserer Session, beispielsweise empfindet die Unterschiede der beiden Tagungsformate so stark, dass er diese unvereinbar findet. Er geht darauf auch in einem eigenen Blogbeitrag ein.
Darüber haben wir uns bisher ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht – wir dachten, die Vorteile beider Formate müssten doch kombiniert werden können, zumal dies unsere Aufgabe im Seminar war.
Deswegen macht Karlheinz auch den Vorschlag, die beiden Formate bei der nächsten GWM-Tagung nacheinander anzubieten: zuerst eine klassische Tagung und anschließend ein BarCamp, auf dem interessante Aspekte der Tagung vertieft werden können. Dadurch könnten die Besucher beider Tagungsformate ein Bild von der jeweils anderen Form gewinnen und deren Vorteile kennenlernen.
Ein weiterer in unseren Augen wertvoller Vorschlag für die Modifikation klassischer Tagungen ist die Schaffung neuer Formate im Kleinen, das heißt, man könnte sich überlegen, wie einzelne Vorträge in ihrer Art verändert werden können, um die Nachteile klassischer Tagungen auszugleichen. Mario machte uns darauf aufmerksam, dass seine Kollegin Tanja Föhr dazu gerade eine Doktorarbeit mit dem Titel „Innovative Kongresse in der Wissensgesellschaft“ schreibt. Im Rahmen dieser hat sie 50 verschiedene Veranstaltungen analysiert.
Um den Lernprozess auf Tagungen effektiver zu gestalten, schlägt sie folgenden idealen Ablauf vor: Nach einem 20minütigen Vortrag, bei dem durch Wiederholungen und die Ansprache verschiedener Sinne die Erinnerungsleistung erhöht werden soll, besprechen sich die Teilnehmer in Kleingruppen, so genannten Buzz Groups, und diskutieren über Fragen aus dem Vortrag. Diese sollen in einer Abschlussdiskussion einbezogen werden und in einer Zusammenfassung abschließend diskutiert werden. Durch die Kleingruppen soll die Aktivität der einzelnen Teilnehmer und deren Bereitschaft zur Diskussion im Plenum gesteigert werden und somit die Wissensgenerierung insgesamt optimiert werden.
Im ersten Teil unserer Session haben wir also unter anderem über Erfolgsfaktoren von Tagungen, Positivbeispiele oder ähnliche Tagungsformate wie unseren Entwurf diskutiert. Wir werden diese Anregungen auf jeden Fall überdenken und bei der schriftlichen Ausarbeitung unseres Konzepts für die GMW miteinbeziehen.



Auf nach Hamburg
Am 4. Februar machen sich Eva, Katha und ich auf nach Hamburg zum EduCamp. Wir sind gespannt, welche unserer Vorschläge für das interaktive Format Bildungssofa (bereits hier berichtet) umgesetzt wird. Weiter möchten wir dieses Mal anhand eines Fragebogens die unmittelbare Stimmung nach der Session einfangen und das Bildungssofa per Videoaufzeichnung dokumentieren. Während Katha und Eva nun schon das zweite Mal mit dabei sind, bin ich noch EduCamp Neuling. Da ich mich dieses Semester in zwei Veranstaltungen mit Tagungsformaten auseinandergesetzt habe, musste ich mir unbedingt ein praktisches Bild vom BarCamp-Format machen.
Das Bildungssofa 2.0
Das Bildungssofa wird als Session gleich am Freitag morgen angeboten. Uns bleibt uns eine halbe Stunde Zeit für den Aufbau von Sofa und Kameras. Etwas zu knapp, da wie so oft die Technik unter Zeitdruck nicht will. Tonprobleme sind die Folge. Hinzukommt, dass einige Teilnehmer nicht gefilmt werden möchten. Auch die Zeitplanung der Session ist nicht günstig gewählt, da sie genau in der Mitte zwischen zwei Sessions liegt. Ein Großteil des Publikums entscheidet sich nach einer halben Stunde Bildungssofa noch eine andere Session zu besuchen. Folglich werden mit dem Fragebogen nach der Session nur knapp die Hälfte der anfänglichen Teilnehmer erreicht und die Rücklaufquote ist dementsprechend gering. Obwohl unsere Vorschläge in Bezug auf die Moderation und Twittereinbindung umgesetzt wurden, fehlt inhaltliche Tiefe. Eine Diskussion kommt anfangs nur sehr oberflächlich zustande. Mein Eindruck ist, dass nicht so sehr die Rahmenbedingungen einer Session wie die Zusammensetzung der Teilnehmer für ein gelungenes Bildungssofa auf einem EduCamp entscheidend sind.
Resümee #ec10hh
Nach dem Bildungssofa machen wir uns auf in andere Sessions, wobei wir oft auf den ersten Blick mit den Themen wenig anfangen können. Zwar gibt die kurze Vorstellung am Morgen einen Einblick, allerdings ist es schwer die Sessions später wiederzufinden. Der Austausch innerhalb der Sessions erfolgt oft auf einer Meta- und Organisationsebene, auf der eine Beteiligung für uns zunächst schwierig ist. Als Studenten waren wir leider sehr in der Unterzahl.
27. Januar 2010
Im Hinblick auf die Präsentationen der Konzepte diese Woche Freitag möchte ich nochmal zwei Dinge kundtun, die mir im Zuge des Seminars aufgefallen sind. Dabei möchte ich gar nicht Inhaltlich auf die einzelnen Konzepte eingehen, denn diese werden ja erst am Freitag offiziel vorgestellt.
Zum einen ist mir Woche für Woche aufgefallen, dass es bei der Tiefe der Konzeptideen und des relativ offenen, praxisnahen Seminaraufbaus sehr schwer ist Inhalte oder noch offene Aspekte “rüber” in die virtuelle Ebene zu bekommen. Das lag oftmals auch daran, dass Fragen oder Diskussionspunkte bereits real im Kurs besprochen wurden und so virtuell nur noch eine wiedergebende Funktion übrig blieb, aber auch daran, dass durch die Gruppenaufteilung nicht jedem Teilnehmer das Wissen der anderen Gruppen zugänglich war. So hatte zumindest ich öfters das Gefühl, dass ich eigentlich nur langweilig herunter schreiben kann was diese Woche im Kurs geschehen ist. Fragen und Diskussionspunkte wurden bereits im Kurs, auch Aufgrund der vorhandenen Expertise der jeweiligen Gruppen, sehr gut beantwortet bzw. geklärt. Eine Weiterführung oder Vertiefung einzelner Themenaspekte ist mit moderatem Zeitaufwand auch kaum möglich, denn den Vorsprung die eine Expertengruppe hat kann man quasi “nebenbei” nicht aufholen. So fällt es einem relativ schwer sich Sinnvoll im virtuellen Bereich des Seminars einzubringen. Dies haben auch einige Gespräche mit meinen Komilitonen bestätigt. Der Satz: “Ich weiss gar nicht was ich Twittern/Bloggen soll” fiel relativ häufig. Das Postive daran ist: Es ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass sich viele ernsthafte Gedanken darüber machen und auch den Anspruch haben sich sinnvoll zu beteiligen und nicht nur irgendein Blödsinn posten wollen. Mich würde da ganz besonders die Meinung oder das Empfinden der anderen Blogger interessieren.
Zum anderen ist mir aufgefallen, dass eigentlich eine Gruppe im Seminar fehlt. Und damit meine ich jetzt gar nicht Gruppe 1 und 2, man denke nur an die letzte Sitzung, sondern viel eher eine Gruppe 9. Denn wenn man sich die einzelnen Teile der Konzepte ansieht, drängt sich eigentlich der Entschluss auf, dass alle zusammen das Gesamtpacket schlecht hin bilden. Diese Gruppe 9 des Gesamtkonzepts könnte die einzelen ausgearbeiteten Teile zusammenfügen und den Feinschliff vollziehen. Denn wenn ich als Kunde die Konzepte so der Reihe nach anhöre, wie das quasi letzte Sitzung in Rohfassung geschehen ist würde ich mir am liebsten von jeden Teil so ein Stück herauspicken und man hat so sein individuelles “Rund-um-Sorglos Packet”. Ich finde es sehr interessant und, vom Inhalt komplett unabhängig, ein tolles Ergebnis, dass sich die einzelnen Gruppen so zusammenfügen. Ich bin sehr gespannt auf das Feedback der Experten am Freitag und vielleicht hat ja der oder die eine oder andere noch einen Kommentar für mich auf Lager.
26. Januar 2010
Über das Forum Corporate Publishing, das in einem „Factbook“ Trends, Tools und Facts zum Thema Corporate Publishing veröffentlicht hat, bin ich auf das Thema Corporate Publishing an Hochschulen gestolpert. Hier heißt es in einem Artikel von Martin Reimund von der PR-Agentur “Profilwerkstatt” in Darmstadt, dass Hochschulen sich in der heutigen von Umstrukturierungen gezeichneten Hochschullandschaft voller Elite-Universitäten und angesehenen privaten Bildungseinrichtungen mehr denn je um die Gunst der Studenten, Spitzenforschern und vor allem Sponsoren bemühen müssen. So heißt es weiter, dass nicht mehr die Anbieter von Bildung die Richtung bestimmen, sondern vielmehr die Nachfrager das Ruder in die Hand nehmen. Nicht zuletzt die Einführung von Studiengebühren sowie von Bachelor- und Masterstudiengängen führt dazu, dass Hochschulen zunehmend an ihrem Auftreten – ihren Profilen – arbeiten müssen. Der Autor Martin Reimund sieht hierbei Corporate Publishing als Möglichkeit für Hochschulen im Uni-Dschungel herauszustechen und aktive PR-Arbeit zu leisten, sich sozusagen als Marke zu etablieren. Interessant ist hierbei weniger der Einsatz von geeigneten Möglichkeiten, wie beispielsweise Hochschulmagazinen, die es schon seit längerem auf dem Markt gibt, sondern vielmehr die Ausrichtung der PR-Aktivitäten. Denn in Zukunft müssten die Universitäten weniger aus ihrer „Binnenperspektive“ berichten, sondern, wie der Autor es ausdrückt, „viel stärker die Bedürfnisse der Stakeholder aufgreifen (…), um den Image- und Reputationsaufbau der Uni zu unterstützen“.
Als gelungenes Beispiel einer solchen stakeholder-orientierten Kommunikationskampagne wird das Hochschulmagazin „Sonnemann“ der Frankfurt School of Finance & Management vorgestellt.

Quelle: http://www.profilwerkstatt.de/index.php?id=248
Dieses eher an ein Businessmagazin erinnerndes Printmedium versucht eine Faszination für die Frankfurt School of Finance & Management vor allem durch Expertenmeinungen aus Wirtschaft und Politik zu erzeugen. Dass es sich hierbei jedoch um eine private Hochschule mit erheblichen finanziellen Mitteln für solch innovative Kommunikationskampagnen handelt, wird im Artikel leider außer Acht gelassen. Fraglich ist also wieder wie eine staatliche Hochschule sich solch einen Markenaufbau leisten kann.
Auf jeden Fall können die im Rahmen unseres Seminars aufgezeigten web 2.0 Tools einen ersten Schritt in Richtung effektiver Markenkommunikation sowie Wissenschaftskommunikation für die Hochschulen ermöglichen. Ein intelligenter Medienmix aus „altmodischen Methoden“ wie beispielsweise Newslettern oder Hochschulmagazinen und neuen Kanälen wie Twitter, Podcast oder Webblogs, kann hier helfen „stakeholdergerechte“ Kommunikation zu betreiben. Aber bevor dieser Medienmix strategisch ausgerichtet und intelligent zusammengestellt werden kann, ist wichtig, dass überhaupt etwas in diese Richtung an den Hochschulen unternommen wird.
Quelle: Reimund, Martin (2009): Mehr Profil in die Hochschulkommunikation. In: Forum Corporate Publishing e.V. (Hrsg.): Factbook für professionelle Unternehmenskommunikation. Trends, Tools, Facts im Corporate Publishing. Factbook Nr. 7. München: Forum Corporate Publishing e.V.. S. 19f..
14. Januar 2010
Der BVDW (Bundesverband Digitale Wirtschaft) trägt den aktuellen Social Media Entwicklungen Rechnung, indem er einen “Code of Ethics” für den richtigen Umgang mit Social Media veröffentlicht. Damit definiert er für werbetreibende Unternehmen – und dies gilt gleichfalls auch für Nonprofit-Organisationen – sechs Empfehlungen, wie ethisch korretk mit Usern in Social Networks, Blogs sowie auf der hauseigenen Website kommuniziert werden sollte. Unter den sechs Stichpunkten Respekt, Sachlichkeit, Erreichbarkeit, Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Recht werden Hinweise gegeben, welche wichtigen Punkte beim Umgang mit Social Media zu beachten sind.
Als Gründe für die Veröffentlichung nennt der BVDW u.a. die veränderte Kommunikation im Web:
“Das Social Web hat die Kommunikationsspielregeln des Internets verändert. Die Nutzer sind nicht mehr reine Empfänger von Botschaften, sondern können selbst Inhalte publizieren – in Blogs, Social Networks, Online-Shops und/oder auf Nachrichtenportalen. Dies beeinflusst die Markenführung und Unternehmenskommunikation im Web: Gängige Marketing- und PR-Instrumente greifen nicht mehr. Social Media erfordert einen Dialog zwischen Unternehmen und Internetnutzern auf Augenhöhe. Abmahnungen oder Drohungen erzielen dagegen einen negativen Effekt, der durch öffentlichen Druck zur langfristigen Schädigung des Images einer Marke und/oder Unternehmens führen kann.” (BVDW 2009)
13. Januar 2010
Bevor wir nach den Möglichkeiten von Non-Profit-Organisationen in Twitter fragen, sollten wir vielleicht erst einmal nach den Möglichkeiten von Twitter überhaupt fragen.
Hierzu die Fakten
(siehe http://www.internetnews.com/commentary/article.php/11091_3824796_1 )
- Laut der Internetmarketingfirma HubSpot haben mehr als die Hälfte aller Leute, die sich bei Twitter angemeldet haben nie einen Tweet geschrieben (55%), folgen niemandem (56%) und haben selbst keine Leser (53%)
- Nielsen Online berichtete im April 2009, dass die meisten neuen Nutzer (60%), nachdem sie einen Account erstellt haben, wieder abspringen
- Laut Harvard Business School schreibt der durchschnittliche Twitter-Nutzer einen Tweet und dann nie wieder
- Entsprechend TechCrunch machen 20% der Nutzer 80% der Inhalte bei Twitter aus. Harvard Business School widerspricht: Es seien 10 % der Nutzer, welche 90% der Tweets ausmachen.
- Eine Umfrage der Pace University und des Participatory Media Network fand heraus, dass nur 22% der Leute zwischen 18 und 24 Twitter nutzen (obwohl fast alle Social Network Profile haben)
Die Frage bleibt also: Ist Twitter tot bzw. steht es bereits mit einem Bein im digitalen Grab? Und natürlich die Frage, welche uns beschäftigen sollte: Sollen NPOs Twitter nutzen oder sollten sie sich die Mühe und Ressourcen sparen und lieber auf andere Kanäle zurückgreifen?
29. Dezember 2009
Das Portal “Social Web Breakfast” stellt regelmäßig Video-Mitschnitte aus Ihren Networking-Veranstaltungen zu den wichtigsten Web 2.0-Themen auf Ihre Website. Größtenteils beziehen sich die Themen zwar inhaltlich zumeist auf Profit-Unternehmen, jedoch sind viele der darin vorgestellten Aspekte und Strategien auch auf den NPO-Bereich übertragbar.
Als Beispiel möchte ich den Vortrag “Twitter als PR-Werkzeug” anführen. Da Twitter als Tool kostenlos zur Vefügung steht, ist es auch für NPOs eine gute Möglichkeit, um als Online-PR-Instrument genutzt zu werden.
Im Vortrag werden die Erfahrungen aus der Social Media Kampagne zur Einführung des T-Mobile Google G1 von der damit beauftragen PR-Agentur vorgestellt. Zwar gab es neben Twitter auch einen Blog, welcher als Social Media Instrument genutzt wurde, jedoch war Twitter das hauptsächlich genutzte PR-Instrument, mit welchem die Community und im Speziellen die jeweiligen Meinungsführer gezielt in Hinblick auf das Produkt informiert werden sollten.
So wurden beispielsweise die Internet-User dauerhaft in die Produktwelt und den Produktlaunch mit eingebunden, indem T-Mobile auf Anraten der Agentur die als Barcamp durchgeführte Microbloggingkonferenz sponserte, und dort u.a. mit einem Android-Entwickler vor Ort war sowie die User die Möglichkeit hatten, das Gerät selbst in die Hand zu nehmen und zu testen, um daran anschließend über ihre Erfahrungen zu twittern (z.B. hinsichtlich der Parameter Usability, Funktionsumfang etc.). Damit sollten v.a. etwaige noch vorhandene Barrieren hinsichtlich des Geräts abgebaut werden.
Auch die Verlosung eines G1´s wurde ausschließlich über Twitter durchgeführt, indem die User via Tweets darstellen sollten, warum gerade sie das Gerät gewinnen wollten. Hierbei wurde die Erfahrung gemacht, dass viele User auch uneigennützig handelten, indem sie jemanden anderen vorschlugen, der das Gerät aus bestimmten Gründen gewinnen sollte. Pro Min. kam so 1 Tweet Rücklauf zustande. Auch auf klassischen Pressekonferenzen wurde der Rückkanal Twitter aktiv genutzt, indem die entsprechenden User-Tweets veröffentlicht wurden.
Nach den Unterschieden zu den klassischen Offline-Kommunikationskanälen gefragt, nannte die Agentur die unmittelbarere Kommunikation mit den Usern, die Öffnung von Rückkanälen, die zahlenmäßige Überlegenheit von Online-Multiplikatoren gegenüber “klassischen” Journalisten. Jedoch stellte die Agentur klar, dass es auch bei der Onlinekommunikation Gatekeeper zu überwinden gilt. Die Akzeptanz von Seiten der User wurde gefördert, indem von vornherein klar gestellt wurde, wer den Twitteraccount initiierte, und dass T-Mobile als Unternehmen respektive die verantwortliche PR-Agentur als Verantwortliche dahinterstanden.
Ich denke, dass die genannten Aspekte auch in Hinblick auf die NPO-PR hohe Relevanz besitzen: Authentizität, Transparenz, Überzeugung der Multiplikatoren, Überwindung der Gatekeeper, dauerhafter Austausch mit der Community, Überwindung von Barrieren durch Kombination von Online- und Offlinekommunikation sowie transparente Darstellung der jeweiligen Ansprechpartner.
Ein Mitschnitt des Videos findet sich unter:
http://www.socialwebbreakfast.de/videos/anzeige/referat/1161.html
9. Dezember 2009
An der HTW (Hochschule für Technik und Wirtschaft) und HWR (Hochschule für Wirtschaft und Recht) Berlin gibt es ab diesem WS 2009/10 einen neuen Studiengang “Nonprofit-Management und Public Governance” – kurz “MaNGo” genannt. Interessant ist, dass der Studiengang nicht nur inhaltlich sondern auch pekuniär dem Nonprofit-Prinzip folgt, indem er vollständig auf die Erhebung von Studiengebühren verzichtet. Dementsprechend groß wird wohl auch der Zulauf auf den mit nur 40 freien Studienplätzen pro Studienstart beschränkten neuen Studiengang sein.
Als positiv betrachte ich es, dass der Studiengang starke interdisziplinäre Bezüge zu den Politik-, Rechts- und Sozialwissenschaften aufweisen soll, wenngleich er in seiner Basis als betriebswirtschaftlicher Aufbaustudiengang ausgewiesen ist. Diese starke ökonomische Ausrichtung zeigt auch bereits die eigentliche Zielgruppe des Studiengangs, und dies sind die Leiter/innen von Hochschulen sowie großer und finanzkräftiger Nonprofit-Organisationen.
Und hier sehe ich persönlich auch die Problematik: die gut ausgebildeten Studenten des neuen Studiengangs werden sich vermutlich beruflich sehr stark in Richtung der finanziell gut ausgestatteten “Big Player” im Nonprofit-Sektor orientieren. Wer auf der Strecke bleibt, sind wieder einmal die kleinen NPOs, welche sich finanziell solchermaßen hoch qualifizierte Fachkräfte wohl kaum werden leisten können. Damit wird die auf der Website des Studiengangs ausgelobte
“branchenübergreifende, generalistische Ausbildung (..) die Absolventen für eine Tätigkeit in unterschiedlichen Typen von Nonprofit-Organisationen qualifiziert (…), d.h. für private und halbstaatliche Organisationen, die ohne kommerzielle Zielsetzung in unterschiedlichen Rechtsformen und Größenordnungen unterschiedliche öffentliche Aufgaben erfüllen” (Quelle: http://www.fhvr-berlin.de/fhvr/index.php?id=1006&L=1&color=basis&size=)
wohl eher ein frommer Wunsch bleiben als zukünftige Realität werden.
2. Dezember 2009
In der letzten Sitzung am Freitag wurde das Thema Wissenschaftskommunikation aus mehreren Perspektiven präsentiert und diskutiert. Unsere Gruppe hat sich hierbei mit der Frage beschäftigt „Warum sollte sich Wissenschaft nach außen öffnen?“
Besonderes Augenmerk wurde bei dieser Metareflexion auf den Punkt „Wissenschaftskommunikation im Zeitalter von web 2.0“ gerichtet. Bei unserer Recherche sind wir bereits auf einige Vorreiter im Bereich der Wissenschaft gestoßen, die sich über die Kanäle des web 2.0 nach außen öffnen. Vor allem Professoren und Dozenten aus dem universitären Bereich sind uns hierbei aufgefallen, die aktiven Dialog mit der Außenwelt über Blogs, Twitter, Facebook oder andere Plattformen betreiben (siehe hierzu beispielsweise: http://cspannagel.wordpress.com/).
Diese Entdeckungen lösten bereits vor der Präsentation heftige Diskussionen in der Gruppe aus: Was sind Vor- und was Nachteile, wenn Wissenschaft im web 2.0 öffentlich gemacht wird? Besonders, wenn es sich um „Respektspersonen“, wie beispielsweise der eigene Professor, aus dem universitären Kreis handelt. Ist es gut fließende Grenzen und Transparenz über ein Facebook-Profil und Twitter-Meldungen zu schaffen?
Während einige Studenten es begrüßten, dass Personen der Wissenschaft nun greifbarer und erreichbarer für Dialoge werden, sprachen sich andere Studenten für klare Grenzen zwischen Privatem und Wissenschaftlichem/Öffentlichem aus.
Ein weiterer Diskussionspunkt in diesem Zusammenhang, war die Frage: Wie weit soll oder darf sich Wissenschaft überhaupt öffnen, um nicht an Güte und Glaubwürdigkeit zu verlieren?.
Ein häufig genanntes Argument für die Öffnung der Wissenschaft ist vor allem der Austausch mit Laien und das Öffnen gegenüber anderen Wissenschaftsdiziplinen, d.h. der Wissenschaftler verlässt den oft zitierten „Elfenbeinturm“ für eine Vernetzung und eine aktive Wissensgenerierung. Eine Gefahr, die jedoch hierbei entstehen kann und somit gegen eine Öffnung spricht, ist die Gefahr der Profilierung, d.h. Bloggen, Veröffentlichen, Vernetzung usw. so viel wie möglich, um im web präsent zu sein, d.h. öffentlich, und somit vielleicht auch eher Chancen auf Aufmerksamkeit und Förderung zu haben. Nicht nur, dass dadurch die Güte der Veröffentlichungen leiden kann, sondern auch ein information-overload, d.h. eine Überladung, entstehen kann. Berücksichtigt man hierbei ebenfalls, dass das Internet ein weitgehend anonymes Medium ist, in dem jeder sich zu jedem Thema melden kann, kann neben der Informationsflut die Glaubwürdigkeit öffentlicher Wissenschaft gefährdet werden. Man denke hierbei nur an die Verwendung von Smileys, Emoticons oder Pseudonymen in wissenschaftlichen Wiki-Diskussionen, was mittlerweile im web zu finden ist.
Besonders Wissenschaftler aus nicht so medienaffinen Bereichen könnten Probleme haben in der Wissenschaftskommunikation im web 2.0 mitzuhalten, aufgrund fehlender Kompetenzen, Zeitmangel oder der Komplexität der Forschungen, die sich für Dialoge mit Laien nicht so gut eignen wie bei anderen Wissenschaftsdisziplinen. D.h. hier könnte durch die Öffnung wiederum eine Kluft zwischen verschiedenen Wissenschaftsbereichen entstehen.
Insgesamt gibt es viele Argumente, die für oder gegen eine Wissenschaftskommunikation im web 2.0 sprechen. So konnten wir als Fazit unserer Metareflexion festhalten, dass nicht alle Wissenschaften sich in gleicher Weise „öffnen lassen“, vor allem über web 2.0. Und dass bei der Öffnung stets zu berücksichtigen ist, welche Zielgruppe angesprochen werden soll und was mit der Öffnung bezweckt werden soll.
Letzte Kommentare